Worpsweder Rotunde 2020

Myriam Holme
weilende zustossnisse

Die von Bernhard Hoetger in den 1920er Jahren gebaute Rotunde ist nicht nur der Hauptraum der Großen Kunstschau, sondern vor allem mehr als eine »normale« Architektur: Die Rotunde ist eine Bauskulptur. Im Rahmen der 2019 neu aufgelegten Ausstellungsreihe »Worpsweder Rotunde« lädt die Große Kunstschau 2020 Myriam Holme ein, für ein Jahr eine raumbezogene Installation zu entwickeln. Holme steht für eine der aufregendsten Positionen in der aktuellen Malerei. Sie verlässt nicht nur die klassischen Malmaterialien, indem sie mit Beizen, Blattgold und anderen alchimistisch anmutenden Farbmaterialien arbeitet, sie verlässt auch das klassische Trägermaterial und malt häufig nicht auf Leinwand, sondern auf Aluminiumplatten. Und auch die tradierte Grenze eines Rahmens lässt sie weit hinter sich, greift mit geknickten, geknautschten Platten, mit Folien oder mit Glasblöcken radikal in den jeweiligen Raum ein. Ihre konsequent gegenstandsfreie Malerei wird so zu einem physischen und sinnlichen Totalereignis. Holmes geradezu barock-überschwängliche, zugleich aber auch zarte Geste trifft auf die expressive Dynamik der Hoetgerschen Bauskulptur.


Abb.: Myriam Holme, ein bogen hinauf ins vielleicht, 2016, Glas, Aluminium, Lack, Beize, Acrylfarbe, Schlagmetall, Installationsansicht Kunstmuseum Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: © Frank Kleinbach