Licht und Schatten – Ausstellungssektion Große Kunstschau

Die Ausstellung in der großen Kunstschau präsentiert die schillernde Persönlichkeit von Bernhard Hoetger und seine künstlerische Entwicklung mit Schwerpunkt auf dem plastischbildnerischen Werk. Exemplarisch stellt die Ausstellung Hoetgers eigenwillige Ausdrucksformen und stilistische Wandlungen im Zusammenhang mit seiner Weltanschauung und seinem künstlerischen Denken vor. Hoetgers frühen Erfolgen in Paris folgte die Ausführung bedeutender Gesamtkunstwerke. So schuf Hoetger den Platanenhain in Darmstadt, die Böttcherstraße in Bremen sowie das Kaffee und die Große Kunstschau in Worpswede.

Die Reaktionen auf sein Werk waren von Beginn an gespalten, sie reichten von enthusiastischem Zuspruch bis zur schroffen Ablehnung. Dies lag auch daran, dass Hoetger einerseits unbeirrbar geradlinig und eigensinnig war – wie Ludwig Roselius sagte: »im Grunde Anarchist« –, doch zugleich extrem wandelbar und anpassungsfähig und immer bereit, sich mit Menschen und Zeitläufen zu verbünden. Das zeigt sich insbesondere in seinen Versuchen, sich der Nazi-Diktatur anzudienen. Damit löste er Irritationen aus, die bis heute nachwirken. Diese Licht- und Schattenseiten des Werks und Wirkens von Hoetger stehen im Fokus der Ausstellung.

 

Licht und Schatten

›Licht und Schatten‹sind auch der Ausgangspunkt für die Vergegenwärtigung der Künstlerin Julia Kiehlmann. Sie beschäftigte sich während eines dreimonatigen Stipendiums in den Künstler*innenhäusern Worpswede mit den Brüchen in Bernhard Hoetgers Biografie, insbesondere mit dessen Hinwendung zum Nationalsozialismus. Aus Textilien schuf sie räumliche und flächige Arbeiten, die alltägliche Mangel- und Gewalterfahrungen reflektieren, wie die Zwänge einer rigiden Arbeitsmoral oder einengender Geschlechterrollen. Die Künstlerin suchte nach Ritualen, um sich allein und gemeinsam mit anderen mit dem Unbehagen auseinanderzusetzen, und diesem Ausdruck zu verleihen.

Ihr Banner UNTER JEDEM DACH EIN ACH lädt dazu ein, die menschliche Fragilität und Fehlbarkeit als Brücke zum Gegenüber zu begreifen. Kiehlmanns Arbeiten fragen nach unserem persönlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Fehlern und spannen einen Raum auf zwischen Maßregelung, Anbiederung, Verdrängung, Ächtung und einer Praxis der TOUGH LOVE.

»Die Widersprüche der Vergangenheit lassen sich so nicht auflösen, wohl aber genauer betrachten«, sagt Kiehlmann – und meint damit auch die Frage nach unserer Verantwortung heute.

Bernhard Hoetger, Licht,1912, Majolika, Focke-Museum, Bremer Landesmuseum, Foto: © Focke-Museum/Jürgen Nogai
Förderer Worpsweder Museumsverbund e. V.