Zeitspeicher – Vier Häuser für die Kunst!

Frühjahrsausstellungen der Worpsweder Museen vom 9.2. bis 27.4.2014

Die Worpsweder Museen beginnen das Jubiläumsjahr 2014 mit einem Blick zurück. Sie öffnen ihre Archive und Depots und lassen mit ausgewählten Gemälden und anderen kostbaren Stücken aus den Sammlungen die Historie ihrer Häuser lebendig werden. Jedes der vier Worpsweder Museen hat eine ganz individuelle Entstehungsgeschichte und eine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung. Geprägt wurden diese jeweils von leidenschaftlichen Kunstliebhabern und Freunden Worpswedes, die Haus und Sammlung aufbauten und damit selbst einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Künstlerdorfs leisteten. Das Spektrum der gezeigten Werke reicht weit über den Kreis der Worpsweder Künstler hinaus und umfasst auch internationale und aktuelle Kunst.

Zu entdecken sind vier Häuser, vier Sammlungen, vier Ausstellungen:


111 Jahre Kunst – Sammlung als Prozess    I    Barkenhoff
Die Sammlung des Barkenhoff umfasst künstlerische Arbeiten aus über elf Jahrzehnten und ist eng mit der Geschichte des Hauses und der seines Erbauers Heinrich Vogeler verwoben. Gemälde, Grafiken, Angewandte Kunst, aber auch Schriften und Dokumente des Jugendstilkünstlers bilden den größten Teil des Kunst- und Archivbestandes, der heute an authentischem Ort bewahrt und präsentiert wird.

Darüber hinaus belegen Arbeiten von mehr als einhundert Künstlern und Literaten von der Gründergeneration bis heute das kreative Potential Worpswedes; Werke der Stipendiaten der Barkenhoff-Stiftung Worpswede spiegeln zudem die Bedeutung des Künstlerdorfes als Standort aktueller, internationaler Kunstproduktion wider.

Die Ausstellung präsentiert Exponate aller Genres von 1894 bis 2005, die einen Einblick in diese facettenreiche, in mehreren Jahrzehnten gewachsene Sammlung  ermöglichen.


Von Mackensen bis Meese    I    Große Kunstschau
Zwischen den Geburtstagen des Gründers der Künstlerkolonie Fritz Mackensen und dem international bekannten Performance Künstlers Jonathan Messe liegen einhundert Jahre. Über diese Zeitspanne hinaus reicht die umfangreiche Kunstsammlung der Großen Kunstschau.

Die Geschichte dieser Sammlung begann 1927, als Bernhard Hoetger die Idee hatte, eine Ausstellungshalle mit Verkaufsmöglichkeiten für die Worpsweder Künstler zu bauen. Finanziert wurde dieses Vorhaben von dem kunstsinnigen Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius, der für den Start von Ausstellungen auch Werke aus seinem Privatbesitz als museale Ergänzung zur Verfügung stellte. 1980 gingen Bauten und Werke in die öffentliche Hand über und werden seit 1999 von der Kulturstiftung Landkreis Osterholz verwaltet. Diese baut die übernommene Sammlung mit Hilfe privater Schenkungen weiter aus.

Der aktuelle Bestand erlaubt eine Fülle thematischer Gruppierungsmöglichkeiten. Exemplarische Ausschnitte und Blicke in die Geschichte bieten überraschende Momente. Neben Arbeiten von Fritz Mackensen und Jonathan Meese, die die Bandbreite dieser Sammlung exemplarisch verdeutlichen, werden Werke ausgewählter Künstler wie Paula Modersohn-Becker, Horst Antes, Walter Bertelsmann, Norbert Schwontkowski und Sati Zech zu sehen sein.


Martha Vogeler – Das Gedächtnis Worpswedes     I    Haus im Schluh
»Wenn Sie etwas über die Künstler wissen möchten, gehen Sie zu Martha Vogeler«. So sagten die Einheimischen zu den Besuchern Worpswedes. Das Haus im Schluh ist durch ihre Gründerin 1920 zu Worpswedes erster musealer Einrichtung geworden, vor allem zum Werk und Leben Heinrich Vogelers. Sie lebte hier bis 1961 und sammelte Objekte und Bilder aus drei Künstlergenerationen in zwei alten niedersächsischen Fachwerkhäusern. Darüber hinaus galt ihr Interesse dem Kunstgewerbe, insbesondere der Webkunst.

In den hauseigenen Ateliers arbeiteten im Laufe der Jahre sehr unterschiedliche Künstler und Künstlerinnen wie Lisel Oppel, Horacio Butler, Wilhelm Wagenfeld, Richard Oelze, Fritz Meckseper und Uwe Häßler. Mit der Berufung von Hans Herman Rief als Archivar wurde 1946 der Grundstein für das inzwischen im Barkenhoff weiter geführte Worpsweder Archiv gelegt. Im Schluh-Archiv befinden sich mittlerweile auch die Nachlässe von Jan Vogeler und Julian Marchlewski. Die Ausstellung zeigt Werke der genannten Künstler und gewährt spannende Einblicke in die Geschichte des Haus im Schluh.


3x Netzel – Kunsthändler, Sammler, Visionär    I    Worpsweder Kunsthalle
Die Worpsweder Kunsthalle verdankt ihren Ursprung dem Buchbindermeister Friedrich Netzel, der 1879 aus Hannover in das Künstlerdorf kam. Neben dem Restaurieren von Büchern ging er schnell auf die Bedürfnisse der ankommenden Künstler ein, führte Malutensilien, schnitt Passepartouts und rahmte. Dabei entstand ein herzlicher Kontakt zu den Künstlern, die auch Quartier bei ihm finden konnten. Sein Sohn, ebenfalls Friedrich, begann 1919 mit dem Kunsthandel – bald schon in eigenen Räumen in der Bergstraße.

Daneben begann er, eine eigene Sammlung hochwertiger Worpsweder Kunst aufzubauen, die heute einen guten Einblick in die Kunstgeschichte des Ortes vermittelt. Nach seinem Tod 1945 übernahm seine Witwe Maria kurzfristig das Geschäft, um es nach dessen Studienabschluss an ihren politisch engagierten Sohn Friedrich weiterzugeben. Dieser widmete sich weiterhin dem Kunsthandel und dem Ausbau der Sammlung. Insbesondere durch die Freundschaft zum damaligen Leiter des Worpsweder Archivs, Hans Herman Rief, wurde er angeregt, aktuelle wie auch auswärtige Künstler zu präsentieren, was zu überregional überaus bedeutsamen Ausstellungen führte. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die lebendige Historie der »Worpsweder Kunsthalle Friedrich Netzel«, die die Basis der »neuen« Worpsweder Kunsthalle darstellt. 

ACHTUNG: Die Ausstellung in der Worpsweder Kunsthalle läuft bis Sonntag, 4. Mai!