Donnerstag, 22. September 2022, 19:00 Uhr

kukuwi lädt ein zum Künstlergespräch

Sonntag, den 22. September 2022
Ort: Große Kunstschau
Eintritt: 3 € (Mitglieder frei)

 

Jost Wischnewski "Focus V" im Gespräch mit Beate Arnold

 

Mit seiner Politisierung nach dem Ersten Weltkrieg ging Heinrich Vogelers konsequente Abkehr von seinem bisherigen Schaffen einher. Der neue Kunstbegriff war eng mit seinen gesellschaftspolitisch-sozialen Anschauungen verknüpft, die er u. a. in Schriften und Flugblättern publizierte.

Für die Ausstellung Heinrich Vogeler. Der Neue Mensch entwickelte der Künstler Jost Wischnewski die Videoarbeit „Focus V“, in der er dieses gesellschaftliche und politische Wirken Vogelers und die Brüche im Leben des Künstlers thematisiert. In die Kuppel der Hoetgerschen Rotunde projiziert, erscheinen in rotierenden Sequenzen Konvolute von Zeitschriften, Flugschriften und Plakaten sowie historische Fotografien der Arbeitsschule Barkenhoff aus dem ehemaligen Besitz von Heinrich und Martha Vogeler. Besonders einprägsam sind die Titel der Schriften, in denen Vogeler seine sozialutopischen Texte veröffentlichte, oder in denen politische Aktivisten ihre Manifeste propagierten: »Die Zukunft«, »Die Aktion«, »Die neue Generation«, »Der Gegner«, »Der Syndikalist«, »Das neue Deutschland«, »Völker-Friede«, »Gemeinschaft für sozialen Frieden«, »Über den Expressionismus der Liebe« und »Proletkult«. Die sich überlagernden Bilder bewegen sich im Uhrzeigersinn oder in entgegengesetzter Richtung – ähnlich einem Strudel ziehen sie uns in die Vergangenheit, schlagen aber auch eine Brücke in die Gegenwart: Denn Heinrich Vogelers Engagement für eine sozial gerechtere und friedliche Weltordnung hat bis heute nichts an Brisanz eingebüßt und ist aktueller denn je.

Jost Wischnewski beschäftigt sich in seinen Installationen, Skulpturen, Videos und Fotografien mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Dabei stützt er sich auf Zeitdokumente und authentische Orte, an denen politisch relevante Ereignisse stattfanden. Er transkribiert das Vorgefundene in skulpturale Objekte oder Raum Environments, wie in seiner Installation CONCTRETE BOW 1 im Rheinufertunnel in Düsseldorf 1994 (heute Ausstellungsraum KIT) oder 2020 in STALAG X B in der Gedenkstätte Lager Sandbostel.

Beate Arnold, 2022

 

Abbildung: Jost Wischnewski, Focus V, 2021/22, Videoarbeit und -installation, im Besitz des Künstlers
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