Vogeler reloaded. Vom Wandbild zum Graffiti

Ein Graffiti-Projekt mit dem Sprayer CaberOne

Was haben eine Wandmalerei des Worpsweder Künstlers Heinrich Vogeler (1872 – 1942) aus den zwanziger Jahren und ein Graffiti gemeinsam? Im Rahmen des Vermittlungsprojektes »Vogeler reloaded. Vom Wandbild zum Graffiti« ist der Worpsweder Museumsverbund dieser Frage nachgegangen und fand gleich mehrere Anknüpfungspunkte:

Nachdem 1918 der einstige Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler durch den Ersten Weltkrieg desillusioniert auf seinen Barkenhoff zurückkehrte, hatte dieser nicht nur politisch einen Wandel durchlebt – auch künstlerisch findet er jener Zeit zu einer ganz neuen Formensprache. Seinen Bildaufbau beginnt er in kristalline Strukturen aufzubrechen. Er verwendet zunehmend grafische Elemente und arbeitet vermehrt mit Schrift und Symbolen in seinen Bildern. Mithilfe dieser neuen Formensprache beginnt der Künstler ganze Bildergeschichten in einem einzigen Werk zu erzählen. In den 1920er Jahren gestaltet Vogeler seine Diele im Worpsweder Barkenhoff mit Wandmalereien aus. Zur selben Zeit fertigt er mehrere Gemälde, die ursprünglich als Vorlage für weitere Wandbilder gedacht waren – darunter das erste sogenannte Komplexbild des Künstlers.

Ebenso ist das »moderne« Graffiti eine Form der Wandmalerei, in dem sich neben der Schrift als Hauptbestandteil eines ›Tags‹ grafische Elemente und Symbole wiederfinden können. Im Auftrag des Worpsweder Museumsverbunds hat sich der Sprayer CaberOne mit der späten Formensprache Heinrich Vogelers intensiv auseinandergesetzt. Seit Ende Juli zeigt der Barkenhoff nun auch im Außenraum Farbe! Auf einer sieben Meter langen, nicht denkmalgeschützten Wand ist ein Graffiti von CaberOne entstanden. Als Ausgangspunkt wählte der Künstler Die Geburt des ›Neuen Menschen‹ von Heinrich Vogeler – das Titelmotiv der aktuellen Ausstellung, welches er in ein »modernes« Graffiti transferierte. CaberOne ist seit über 20 Jahren aktiver Sprayer. Bereits als Jugendlicher sprühte er seine ersten Graffitis im Umkreis von Bremen und Worpswede und bekam schnell erste Aufträge. Heute sprayt er europaweit gezielte Auftragsarbeiten oder auf legalen Flächen.

Parallel zur Kunstaktion im Außenraum fand ein dreitägiger Graffiti-Zeichenkurs für Jugendliche statt, in dem der Sprayer zusammen mit der kunsthistorischen Projektleitung die Basics der Graffiti-Kunst und die Formensprache Heinrich Vogelers vermittelte. Das Projekt läuft unter der neuen Dachmarke JiM (Jung im Museum), unter der die Worpsweder Museen die musealen Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche zukünftig ausweiten und verstetigen werden.

Den buten un binnen Beitrag zu diesem Projekt finden Sie hier

Für alle Fotos gilt: © Worpsweder Museumsverbund