Worpswede - Gestern bis heute

Mit dem ersten Besuch Fritz Mackensens 1884 beginnt die Geschichte der Künsterkolonie Worpswede. Fasziniert von der Weite des Himmels und der Landschaft im Teufelsmoor lassen sich ab 1889 junge Maler in dem Dorf vor den Toren Bremens nieder, die in der Darstellung der Natur und des bäuerlichen Lebens einen neuen Inhalt für ihre Kunst finden.
Mackensen, Hans am Ende, Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler legen den Grundstein für den überregionalen Ruf des Künstlerortes. 1895 stellen die Worpweder Künstler gemeinsam im Münchner Glaspalast aus und werden zu einem Begriff in der deutschen Kunstszene. Ihr Ruf zieht weitere Künstler, unter ihnen auch den Dichter Rainer Maria Rilke nach Worpswede. Rilke lernt dort die Bildhauerin Clara Westhoff kennen, die er später heiratet, ebenso entstehen die Verbindungen zwischen Heinrich und Martha Vogeler und zwischen Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker. Für eine kurze Zeit entsteht eine Künstlerfamilie, die jedoch schnell an den unterschiedlichen politischen wie künstlerischen Haltungen der Protagonisten zerbricht. Otto Modersohn verlässt nach dem Tod seiner Frau Paula Worpswede. Der Erste Weltkrieg bedeutet mit seinen Folgen eine endgültige Zäsur. Hans am Ende wird im Krieg getötet, Heinrich Vogeler bricht radikal mit seiner Kunst und wendet sich dem Kommunismus zu. 
Dennoch bleibt Worpswede im Fokus. Bernhard Hoetger errichtet den Niedersachsenstein, das Kaffee Worpswede und die Große Kunstschau.
Zugleich setzt eine zweite Generation mit Künstlern wie Georg Tappert, Albert Schiestl-Arding, Udo Peters, Alfred Kollmar, Willy Dammasch, Tetjus Tügel, Bram van Velde, Walter Müller, Sophie Bötjer-Mallet und Lisel Oppel die Tradition des Ortes fort.
Die Zeit der Naziherrschaft bedeutet auch für Worpswede Bruch und Krise. Die Kunst der »Alten Worpsweder« wurde von den Nationalsozialisten für die von ihnen propagierte »völkische Kunstauffassung« vereinnahmt. Die Verbreitung dieser Kunstauffassung wurde auch durch einige Worpsweder Künstlerinnen und Künstler aktiv unterstützt und vorangetrieben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg prägt neben der „Jungen Worpsweder Gruppe“ vor allem der Surrealist Richard Oelze mit seinem Schaffen die Wahrnehmung der Künstlerkolonie, die auch in der Folge Wohnsitz und Inspirationsort für eine Vielzahl von Künstlern bleibt. Zugleich entwickelt sich eine lebendige Kunsthandwerkerszene und ein reger Kulturtourismus.
Mit dem Erwerb des abbruchbedrohten Barkenhoff und seiner Eröffnung als Heinrich-Vogeler-Museum 1981 gelingt die Sicherung eines bedeutenden Kulturdenkmales der Gründergeneration, das 2007 einer erneuten Grundsanierung unterzogen wird. Bedingt durch die knapper werdenden öffentlichen Mittel entsteht in der Folge dennoch ein Sanierungsstau vor allen in den musealen Einrichtungen. Dieser gipfelte in der baupolizeilichen Schließung der einsturzgefährdeten Großen Kunstschau. In einem Kraftakt gelingt es, öffentliche Mittel zur Sanierung des Hoetger-Baus einzuwerben. 2008 werden Mittel der Europäischen Union für den „Masterplan Worpswede“ eingeworben. Mit diesen Geldern werden nun die vier großen Museen Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh und Worpsweder Kunsthalle grundsaniert und auf einen modernen Stand gebracht. Parallel wird das Besucherzentrum im Philine-Vogeler-Haus neu gestaltet; ein informatives touristisches Leitsystem führt die Besucher durch den Ort. Herzlich willkommen im neuen Worpswede!

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