Ottilie Reylaender

Ottilie Reylaender (* 19. Oktober 1882 in Wesselburen, Kreis Dithmarschen/

Holstein; † 29. März 1965 in Berlin-Lichterfelde West) gehört neben Paula (Modersohn-) Becker zu den wichtigsten Worpsweder Malerinnen der zweiten Künstlergeneration. Im Gegensatz zu ihren Künstlerkollegen aus Worpswede verweilt sie jedoch nur wenige Jahre in der Künstlerkolonie. Im Sommer 1898 nimmt der anerkannte Maler Fritz Mackensen, der Gründer der Worpsweder Künstlerkolonie, die erst fünfzehnjährige Ottilie Reylaender als Schülerin an. Zeitgleich mit Paula (Modersohn-) Becker, Clara (Rilke-)Westhoff und Hedwig Woermann arbeitet sie intensiv an ihren Fähigkeiten. Doch Reylaender löst sich bald von den Vorgaben ihres Lehrers. Im Jahr 1900 reist die Künstlerin erstmals nach Paris. Kurz vor ihrer Abreise trifft sie den Dichter Rainer Maria Rilke im Künstlerdorf. Dieses Treffen ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. 1910 verlässt Reylaender Worpswede und folgt dem polnischen Glasmaler Bogdan v. Suchocki nach Mexiko. Aus einer ursprünglich kurzen Reise wird ein 17 jähriger Aufenthalt. Um 1914 zieht sie mit ihrem Ziehsohn Bodzio, der aus einer Beziehung Suchockis mit einer Mexikanerin stammt, in den kleinen Ort Tonila. Ihre Eindrücke hält sie auf postkartengroßen Bildtafeln fest. In den zwanziger Jahren lebt Reylaender in der Hauptstadt Mexiko-Stadt, wo sie Bekanntschaft mit Diego Riviera und Tina Modotti macht, sowie im nahegelegenen Cuernavaca. 1929 heiratet sie Traugott Böhme und siedelt sich mit ihm und dem Ziehsohn Bodzio in Berlin an. Dort nimmt sie Unterricht in der Kunstschule von Arthur Segal und konzentriert sich zunehmend auf die Porträtmalerei.