Lesung »Rainer Maria Rilke: Requiem für eine Freundin, 1908«

Am 20. November 1907 starb die Malerin Paula Modersohn-Becker im Alter von nur 31 Jahren in Worpswede im Kindbett.

An Allerseelen des folgenden Jahres, am 2. November 1908, beendete der Dichter Rainer Maria Rilke sein »Requiem für eine Freundin«, das er der knapp ein Jahr zuvor verstorbenen Künstlerfreundin widmete. Dieses Gedicht gilt als eines von Rilkes bedeutendsten und komplexesten Werken.
Der »Dichter des Unsagbaren« stellt sich der unaussprechlichen Trauer über den Verlust der Freundin in Form eines Zwiegesprächs mit ihr, die wie ein ruheloses Gespenst seine Gedanken durchstreift. Zunächst zögernd und zweifelnd, tastet er nach den Gründen ihrer Wiederkehr. Er taucht in den Raum des Ungewissen, eine letzte Begegnung suchend, da ihn ihr Schicksal nicht loslässt.

Zu Anfang voller Erschrockenheit und Ratlosigkeit im Umgang mit dem Tod der Seelenverwandten, gelangt Rilke zu einer intimen Reflexion ihrer Persönlichkeit und ihrer Kunst. Mit seiner unverwechselbaren Sensibilität und sprachlichen Bildkraft erweckt er die Künstlerin noch einmal zum Leben und durchstreift mit ihr den Kosmos ihrer gemeinsamen Gedankenwelt.

Rilkes »Requiem für eine Freundin« ist nicht nur sein Vermächtnis für Paula Modersohn Becker, sondern auch ein eindringliches dichterisches Dokument der Beziehung zwischen Dichter und Malerin. In seiner Totenklage bittet Rilke schließlich um Frieden für die Verstorbene – auch, um selbst zur Ruhe kommen zu können.

Rainer Maria Rilke war zeitlebens ein von Ruhelosigkeit Getriebener, ein zuweilen heimatloser Fremdling - und immer wieder ein Grenzgänger zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. In einem seiner Gedichte heißt es »...in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit«. Wie viele unruhige Geister war Rilke empfänglich für Zeremonien und Rituale; so wird beispielsweise berichtet, dass er bei Marie von Thurn und Thaxis mit großem Interesse Seancen beigewohnt habe.


Oliver Peuker
Oliver Peuker ist seit 1986 freischaffend als Schauspieler, Regisseur und Sprecher tätig. Seit 1999 als Schauspieler und Regisseur bei der Cosmos Factory Theaterproduktion, die nicht zuletzt durch die Produktionen für den Theatersommer auf dem Barkenhoff Worpswede - wie z. B. »Paula & Frida« - überregional bekannt wurde. Als Schauspieler war Oliver Peuker hier bislang u. a. als Rainer Maria Rilke in »Rilke 1903«, als Heinrich Vogeler in »Heinrich Eduardowitsch – Archäologie eines Traumes«, als Richard Oelze in »Welt---Oelze« und in diversen Rollen in »Tetjus Tügel – eine Hommage« und »Berge der Utopie« sowie in »Rilkes Requiem« zu erleben.


Kosten: inkl. Besichtigung der Ausstellung 10 Euro/ erm. 8 Euro


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